Im Handwerk entscheidet der Einstellungstest seltener über die Bewerbung als im öffentlichen Dienst – aber er entscheidet häufig darüber, wer von mehreren gleich geeigneten Bewerbern den Ausbildungsplatz bekommt. Geprüft wird dabei etwas anderes als in kaufmännischen Berufen: nicht Sorgfalt am Schreibtisch, sondern die Fähigkeit, technische Zusammenhänge zu erfassen und sich Dinge räumlich vorzustellen.
Was in diesen Berufen geprüft wird
Technisches Verständnis steht im Mittelpunkt: Hebelgesetze, Zahnradübersetzungen, Stromkreise, Werkstoffeigenschaften. Der Beitrag Einstellungstest Technik führt in die typischen Aufgabentypen ein.
Räumliches Vorstellungsvermögen wird über Abwicklungen, Faltaufgaben und Ansichten geprüft – siehe räumliches Vorstellungsvermögen und visuelles Denken.
Rechnen mit Maßen ist Alltag auf der Baustelle und deshalb fester Bestandteil: Maße und Gewichte, Maßeinheiten umrechnen und Textaufgaben.
Praktische Eignung prüfen manche Betriebe zusätzlich über Geschicklichkeits- oder Montageaufgaben – praktisches Geschick erklärt, worauf es dabei ankommt.
Metall und Maschinenbau
Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker, Werkzeugmechaniker, Feinwerkmechaniker, Konstruktionsmechaniker, Metallbauer sowie der allgemeine Einstieg Einstellungstest Metall.
Bau und Ausbau
Maurer, Betonbauer, Zimmerer, Dachdecker, Tischler und Anlagenmechaniker für Heizung, Sanitär und Klima.
Fahrzeugtechnik, Planung und Logistik
Kfz-Mechaniker, Kfz-Mechatroniker und Kraftfahrzeugmechatroniker. In der Planung: Bauzeichner, technische Zeichner (seit 2011 Technische Produktdesigner und Technische Systemplaner), Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Architekturstudium und der Ingenieurberuf. Dazu Lagerist, Lkw-Fahrer und Industriemeister.
Wie Sie sich vorbereiten
Technisches Verständnis lässt sich nicht in zwei Tagen anlesen, räumliches Vorstellungsvermögen aber sehr wohl trainieren – regelmäßiges Üben wirkt hier nachweislich. Beginnen Sie mit den Aufgabentypen, nicht mit dem Beruf: Wer Abwicklungen und Zahnradaufgaben sicher löst, ist für den Test beim Dachdecker genauso gut vorbereitet wie beim Zerspanungsmechaniker. Einstieg über Übungen und Aufgabentypen im Überblick.
Wie diese Tests aufgebaut sind
Im Handwerk ist der Einstellungstest meist kürzer als im öffentlichen Dienst und findet oft direkt im Betrieb statt. Typisch sind ein bis zwei Stunden mit gemischten Aufgaben, häufig gefolgt von einem Gespräch mit dem Ausbilder oder einer praktischen Probe an der Werkbank. Große Industriebetriebe setzen dagegen standardisierte Testsysteme ein, die denen im öffentlichen Dienst ähneln.
Ein technischer Aufgabenblock besteht selten aus reinem Fachwissen. Gefragt wird eher: Welches Zahnrad dreht sich in welche Richtung, welcher Hebel braucht mehr Kraft, welche Skizze zeigt denselben Körper aus anderer Perspektive. Wer das Prinzip dahinter verstanden hat, löst auch Aufgaben, die er noch nie gesehen hat – deshalb lohnt das Verstehen mehr als das Auswendiglernen.
Häufige Fehler
Nur den eigenen Beruf üben. Die Aufgabentypen sind zwischen den Handwerksberufen weitgehend identisch. Wer Abwicklungen sicher löst, ist beim Tischler wie beim Anlagenmechaniker im Vorteil.
Räumliches Vorstellungsvermögen für Talent halten. Es lässt sich durch Übung nachweislich verbessern. Wer regelmäßig Faltaufgaben übt, löst sie mit der Zeit schneller.
Die Rechenaufgaben unterschätzen. Maße, Flächen und Volumen kommen in fast jedem handwerklichen Test vor, und viele Bewerber rechnen zwar richtig, aber zu langsam.
Den Praxisteil nicht einplanen. Wenn der Betrieb eine Arbeitsprobe verlangt, zählen Sorgfalt und Ordnung am Arbeitsplatz oft mehr als Geschwindigkeit.
Häufige Fragen
Brauche ich Vorkenntnisse im Beruf? Nein. Getestet werden Grundfähigkeiten, nicht Ausbildungsinhalte. Wer bereits ein Praktikum gemacht hat, tut sich beim Verständnis der Aufgaben aber leichter.
Wie wichtig sind Mathematiknoten? Weniger wichtig als die Fähigkeit, im Kopf mit Maßen umzugehen. Genau das lässt sich in kurzer Zeit trainieren.
Was, wenn ich beim Praxisteil nervös bin? Ausbilder rechnen damit. Wichtiger als ein perfektes Werkstück ist, dass Sie strukturiert vorgehen und nachfragen, wenn etwas unklar ist.
Wenn der Test im Betrieb stattfindet
Kleine Betriebe laden häufig zu Test und Gespräch am selben Tag ein, manchmal verbunden mit einem Rundgang durch die Werkstatt. Nutzen Sie das: Wer beim Rundgang fragt, welche Maschinen im Einsatz sind oder wie ein typischer Auftrag abläuft, zeigt Interesse und erfährt zugleich, ob der Betrieb passt. Ausbilder erinnern sich an Bewerber, die etwas wissen wollten – und deutlich seltener an das Testergebnis im Detail. In vielen Handwerksberufen entscheidet am Ende die Kombination aus solidem Test und dem Eindruck, dass jemand zuverlässig ist und morgens pünktlich kommt.
Weitere Testgebiete finden Sie in der Übersicht.
Wer hinter diesen Inhalten steht
Ömer Bekar, Gründer von einstellungstest-fragen.de, entwickelt individualisierte Testverfahren für Behörden und Unternehmen und koordiniert das Zusammenspiel von Trainern, Coaches und Fachautoren.
Fachlich geprüft werden die Inhalte von Werner von Rappard – Assessment Center und Führungskräfteentwicklung, Leiter der Vorbereitungskurse in Bremen – und Sebahat Günsch, die im Profiling arbeitet und Bewerber sowie Führungskräfte im mittleren und gehobenen Dienst trainiert; sie verantwortet die psychologischen Testteile und das Auswahlgespräch.
Wir sind kein Verlag: Die Aufgaben entstehen aus unserer Arbeit an Testverfahren für Behörden und Unternehmen und bilden Aufgabentypen und Anforderungsniveaus ab – keine Originalfragen. Wie eine Aufgabe entsteht, wer sie prüft und was wir ausdrücklich nicht behaupten, steht auf der Seite Methodik.