In Gesundheitsberufen prüft das Auswahlverfahren zwei Dinge gleichzeitig: fachliche Grundlagen und die Frage, ob jemand für die Arbeit am Menschen geeignet ist. Der zweite Teil ist der, auf den sich die wenigsten Bewerber vorbereiten – und der in Pflege und Therapie häufig den Ausschlag gibt.
Was fachlich geprüft wird
Naturwissenschaftliche Grundlagen stehen im Vordergrund: Biologie des menschlichen Körpers, einfache Chemie, physikalische Zusammenhänge. Dazu kommt Rechnen – in der Pflege ist das keine Formalie, sondern Alltag: Dosierungen, Umrechnungen, Maßeinheiten und Prozentrechnen gehören zur täglichen Arbeit und werden entsprechend ernsthaft geprüft.
Hinzu kommen Rechtschreibung für die Dokumentation und Merkfähigkeit – wer mehrere Patienten parallel betreut, muss sich vieles gleichzeitig merken.
Was persönlich geprüft wird
Belastbarkeit, Empathie und der Umgang mit Konflikten werden über psychologische Testverfahren, Situationsentscheidungen und biografische Fragebögen erfasst. Diese Verfahren lassen sich nicht im klassischen Sinn lernen – wohl aber verstehen. Wer weiß, worauf sie zielen, antwortet ruhiger und konsistenter.
Pflege
Krankenschwester, Krankenpflegerin und Hebamme. Seit der Pflegereform 2020 führt die generalistische Pflegeausbildung zum Abschluss Pflegefachfrau bzw. Pflegefachmann, Hebammen werden in einem dualen Studium ausgebildet. Die Auswahlverfahren der Träger unterscheiden sich aber weiterhin deutlich.
Therapie und medizinische Fachberufe
Physiotherapie und Ergotherapie prüfen zusätzlich anatomisches Grundverständnis und oft praktische Eignung. Zahnmedizinische Fachangestellte, Optiker und Hörakustiker verbinden Gesundheitswissen mit Handwerk und Kundenkontakt – entsprechend gemischt sind die Tests. Tierpfleger ist auf dieser Seite ebenfalls eingeordnet.
Studium
Für das Medizinstudium gelten eigene Regeln: Der EMS (Eignungstest für das Medizinstudium in der Schweiz; in Deutschland der TMS, der im November 2026 letztmals stattfindet und ab 2027 durch den TMSnat abgelöst wird) ist ein standardisierter Eignungstest mit eigener Systematik und eigener Vorbereitungslogik. Einen Überblick gibt Einstellungstest Medizin.
Wie Sie sich vorbereiten
Trennen Sie die beiden Teile. Den fachlichen Teil bereiten Sie wie jeden anderen Test vor – über Aufgabentypen und Übungen. Für den persönlichen Teil hilft etwas anderes: sich vorher klarmachen, warum man diesen Beruf will, und zwar konkret genug, um es unter Anspannung in zwei Sätzen sagen zu können.
Warum diese Verfahren anders aufgebaut sind
In Pflege und Therapie sucht der Arbeitgeber nicht die beste Testleistung, sondern Menschen, die den Beruf durchhalten. Die Abbruchquoten in der Ausbildung sind ein reales Problem der Branche, und die Auswahlverfahren sind darauf ausgerichtet. Deshalb steht neben dem fachlichen Teil fast immer ein zweiter, der auf Motivation, Belastbarkeit und realistische Erwartungen zielt – im Fragebogen, im Gespräch oder in beidem.
Das erklärt auch, warum viele Einrichtungen ein Praktikum oder einen Hospitationstag in das Verfahren einbauen. Wer vorher nie auf einer Station war, kann kaum beurteilen, ob der Beruf zu ihm passt – und genau das wollen die Verfahren herausfinden.
Rechnen in der Pflege ist kein Formalismus
Dosierungsberechnungen, Infusionsgeschwindigkeiten, Umrechnungen zwischen Milligramm und Milliliter, Prozentangaben bei Lösungen: Diese Aufgaben prüfen keine Mathematik, sondern Patientensicherheit. Entsprechend streng werden sie ausgewertet, und in manchen Verfahren ist ein Mindestergebnis in diesem Block verpflichtend. Wer Dreisatz und Maßeinheiten sicher beherrscht, hat den größten Teil abgedeckt.
Häufige Fehler
Den persönlichen Teil für Beiwerk halten. In Pflegeberufen ist er häufig der Teil, der den Ausschlag gibt.
Im Gespräch idealisieren. Wer sagt, er wolle helfen, sagt dasselbe wie alle anderen. Wer konkret beschreibt, was er im Praktikum gesehen hat und warum er trotzdem will, wirkt glaubwürdiger.
Schichtarbeit ausblenden. Fragen zu Belastbarkeit, Nachtdiensten und Umgang mit Tod gehören zum Verfahren. Es hilft, sich vorher ehrlich damit auseinanderzusetzen.
Die Rechenaufgaben zuletzt üben. Sie sind der am klarsten bewertete Teil und damit der mit dem sichersten Ertrag.
Häufige Fragen
Brauche ich ein Praktikum? Vorgeschrieben ist es nicht überall, verlangt wird es häufig – und es hilft im Gespräch mehr als jede Vorbereitung auf den schriftlichen Teil.
Wie wichtig sind Naturwissenschaftsnoten? Sie helfen bei der Einladung. Im Test zählt, ob Sie die Grundlagen anwenden können, nicht die Note.
Gibt es körperliche Anforderungen? Je nach Einrichtung eine arbeitsmedizinische Untersuchung. Ein Sporttest wie bei Polizei oder Feuerwehr ist unüblich.
Was ist beim EMS anders? Der EMS ist ein standardisierter Studieneignungstest mit festen Aufgabengruppen und eigener Vorbereitungsliteratur – er folgt einer anderen Logik als betriebliche Auswahlverfahren.
Weitere Testgebiete finden Sie in der Übersicht.
Wer hinter diesen Inhalten steht
Ömer Bekar, Gründer von einstellungstest-fragen.de, entwickelt individualisierte Testverfahren für Behörden und Unternehmen und koordiniert das Zusammenspiel von Trainern, Coaches und Fachautoren.
Fachlich geprüft werden die Inhalte von Werner von Rappard – Assessment Center und Führungskräfteentwicklung, Leiter der Vorbereitungskurse in Bremen – und Sebahat Günsch, die im Profiling arbeitet und Bewerber sowie Führungskräfte im mittleren und gehobenen Dienst trainiert; sie verantwortet die psychologischen Testteile und das Auswahlgespräch.
Wir sind kein Verlag: Die Aufgaben entstehen aus unserer Arbeit an Testverfahren für Behörden und Unternehmen und bilden Aufgabentypen und Anforderungsniveaus ab – keine Originalfragen. Wie eine Aufgabe entsteht, wer sie prüft und was wir ausdrücklich nicht behaupten, steht auf der Seite Methodik.