Aktualisiert am 24. September 2026 von Ömer Bekar

Ungefähr sieben Einheiten für ungefähr zwanzig Sekunden – mehr gibt dein Kurzzeitgedächtnis ohne Wiederholung nicht her. Genau an dieser Grenze setzen die Merkaufgaben im Einstellungstest an: Du bekommst eine Liste, ein Bild oder einen Steckbrief, hast ein bis drei Minuten zum Einprägen, danach ist die Vorlage weg. Trainierbar ist dabei nicht die Kapazität, sondern die Art, wie du die Informationen ablegst, und das Tempo, mit dem du das tust. Fang mit dem Test an, dann weißt du, wo du stehst.
Teste dein Kurzzeitgedächtnis
Zehn Aufgaben, Auswertung und Lösungsweg direkt im Anschluss. Wie im Test gilt: erst einprägen, dann antworten, kein Zurückblättern.
Einstellungstest Merkfähigkeit
Wie lange hält das Kurzzeitgedächtnis, und wie viel passt hinein?
Zwei Befunde aus der Gedächtnisforschung erklären, warum Merkaufgaben sich so unfair anfühlen.
Zur Dauer: Lloyd und Margaret Peterson zeigten 1959, dass Versuchspersonen Silbenfolgen schon nach etwa achtzehn Sekunden kaum noch wiedergeben konnten, sobald sie in der Zwischenzeit am Wiederholen gehindert wurden. Ohne inneres Nachsprechen zerfällt der Inhalt also innerhalb einer halben Minute.
Zum Umfang: George A. Miller beschrieb 1956 die Spanne des unmittelbaren Behaltens mit sieben Einheiten plus/minus zwei. Entscheidend an seiner Arbeit ist der zweite Teil – eine Einheit ist nicht zwingend ein Zeichen. Die Ziffernfolge 1 9 9 4 sind vier Einheiten, die Jahreszahl 1994 ist eine. Dieses Bündeln nennt Miller Chunking, und es ist der einzige Hebel, mit dem sich die Sieben spürbar dehnen lässt.
Für den Test heißt das: Wer eine Wortliste Wort für Wort aufnimmt, kommt auf sieben Wörter. Wer daraus drei kleine Gruppen bildet – Tiere, Städte, Berufe – kommt deutlich weiter.
Ultrakurzzeit-, Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis: was welcher Begriff meint
Die Begriffe werden im Alltag durcheinandergeworfen. In der Testliteratur meinen sie klar unterschiedene Dinge.
| Speicher | Dauer | Umfang | Rolle im Einstellungstest |
|---|---|---|---|
| Ultrakurzzeitgedächtnis (sensorisches Gedächtnis) | Bruchteile einer Sekunde bis etwa zwei Sekunden | sehr groß, aber ungefiltert | wird nicht eigens abgefragt; es entscheidet nur, was überhaupt ankommt |
| Kurzzeitgedächtnis | etwa 15 bis 20 Sekunden ohne Wiederholung | rund sieben Einheiten | der eigentliche Prüfgegenstand der Merkaufgaben |
| Arbeitsgedächtnis | solange du aktiv damit arbeitest | weniger, sobald parallel gerechnet oder sortiert wird | Aufgaben, bei denen du dir etwas merkst und gleichzeitig damit rechnest |
| Langzeitgedächtnis | Stunden bis lebenslang | keine bekannte Grenze | eigene Aufgabengruppe, etwa Allgemeinwissen |
Der Unterschied zwischen Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis ist für die Testvorbereitung der wichtigste. Alan Baddeley beschreibt das Arbeitsgedächtnis als Speicher mit Rechenfunktion: Du hältst etwas fest und machst gleichzeitig etwas damit. Eine Aufgabe, in der du dir fünf Zahlen merkst und sie anschließend rückwärts nennst, misst genau das und ist deshalb spürbar schwerer als reines Wiedergeben.
Wie eine Merkaufgabe im Test abläuft
Die Merkaufgabe ist fast immer dreiteilig, und der mittlere Teil ist der, an dem die meisten scheitern.
Die Ablenkung ist kein Zufall und keine Schikane des Testautors. Sie unterbindet das innere Nachsprechen, das den Inhalt sonst am Leben hält – genau die Bedingung, unter der die Petersons den schnellen Zerfall gemessen haben. Getestet wird damit nicht, was du dir zehn Sekunden lang merken kannst, sondern was von deiner Merkstrategie übrig bleibt, wenn etwas dazwischenkommt.
Eine Merkaufgabe kann außerdem später im Testheft noch einmal auftauchen, mit anderen Fragen zur selben Vorlage. Wer beim ersten Durchgang nur die abgefragten Details behalten hat, steht beim zweiten ohne etwas da.
Diese Merkaufgaben kommen im Einstellungstest vor
Welche und wie viele Aufgaben zur Merkfähigkeit auftauchen, hängt vom Arbeitgeber und vom Beruf ab. Diese fünf Formen kommen regelmäßig vor.
Zahlen und Wörter einprägen
Du bekommst eine Liste mit Ziffern, Zahlenpaaren oder Begriffen und ein festes Zeitfenster. Danach verschwindet die Liste. Gefragt wird entweder nach den Einträgen selbst, oder du sollst in einer zweiten Liste die Einträge markieren, die schon in der ersten standen. Möglich sind auch Fragen über die Liste: wie viele Wörter eine Tierart bezeichneten, welche mit demselben Buchstaben begannen.
Figuren und Muster merken
Du siehst ein Feld mit geometrischen Formen oder Symbolen, oft zusätzlich mit Zahlen oder Buchstaben beschriftet. Nach der Einprägezeit sollst du fehlende Beschriftungen ergänzen, Fehler finden oder angeben, wo eine Figur stand. Diese Gruppe grenzt an das visuelle Denken, prüft aber das Behalten, nicht das Schlussfolgern.
Textinhalte wiedergeben
Du liest einen Text – Geschäftsbrief, Protokoll, Anweisung – und sollst dir die Angaben daraus merken. Die Fragen danach sind unterschiedlich gebaut:
- Du fasst die Kernaussagen in eigenen Worten zusammen.
- Du beantwortest Fragen zum Inhalt, als Auswahlfrage oder offen.
- Du entscheidest bei vorgegebenen Aussagen, ob sie so im Text standen.
Steckbriefe zitieren
Du bekommst Angaben zu erfundenen Personen: Name, Adresse, Geburtsdatum, Beruf, Familienstand, oft mit Foto. Die Steckbriefe sind entweder tabellarisch oder als Lebenslauf ausformuliert. Nach wenigen Minuten beantwortest du Fragen zu den Personen.
Fotos und Stadtpläne
Fotos zeigen Alltagsszenen, und gefragt werden kleine Details: wie viele Personen zu sehen waren, was auf einem Schild stand, welche Farbe ein Gegenstand hatte. Beim Stadtplantest siehst du eine erfundene Karte mit Straßennamen und Gebäuden, die du anschließend leer beschriften sollst.
Kannst du dein Kurzzeitgedächtnis überhaupt trainieren?
Teilweise, und es lohnt sich zu wissen, welcher Teil.
Die Kapazität selbst – Millers sieben Einheiten – verschiebt sich durch Üben kaum. Wer damit rechnet, nach vier Wochen fünfzehn statt sieben Wörter zu behalten, wird enttäuscht. Was sich verändert, ist alles andere: Du erkennst Aufgabentypen schneller wieder, du verlierst keine Zeit mehr mit der Frage, worauf du achten sollst, und du bildest die Gruppen beim Einprägen fast automatisch statt erst nach der halben Einprägezeit.
Das ist der Grund, warum Übungsaufgaben aus dem Einstellungstest mehr bringen als allgemeines Gehirnjogging. Nicht weil sie das Gedächtnis vergrößern, sondern weil sie die Sekunden sparen, die im Test tatsächlich fehlen.
Übungen zwischen Einladung und Testtermin
Diese Übungen brauchen kein Material und lassen sich nebenbei machen.
- Wortlisten mit Gruppenbildung: Nimm zwölf beliebige Begriffe, sortiere sie beim Lesen in drei Gruppen und gib sie nach einer Minute Pause gruppenweise wieder.
- Zahlenfolgen rückwärts: Lies eine sechsstellige Zahl, schau weg, nenne sie rückwärts. Das trifft das Arbeitsgedächtnis, nicht nur das Behalten.
- Buchstabensalat: Präge dir eine Buchstabenfolge ein und schreibe sie nach dreißig Sekunden auf, in denen du bewusst etwas anderes gemacht hast.
- Zusammenfassen: Lies eine Nachrichtenmeldung und gib sie in drei Sätzen wieder, ohne noch einmal hinzusehen.
- Mnemotechnik ausprobieren: Verknüpfe abstrakte Angaben mit Bildern oder Orten. Ob dir die Technik liegt, merkst du nach zwei Versuchen.
- Rückschau am Abend: Geh den Tag in der richtigen Reihenfolge durch. Das trainiert das Abrufen unter Zeitabstand.
Ein zweiter Aufgabensatz zum Kurzzeitgedächtnis, mit anderem Zuschnitt als der Test oben:
Kurzzeitgedächtnis trainieren
Zwei Merkaufgaben zum Selbermachen
Aufgabe 1
Du hast drei Minuten Zeit, um dir die Begriffe in der Tabelle einzuprägen.
| Stadt | Land | Name | Beruf | Pflanze |
| Berlin | Italien | Manuela | Feuerwehrmann | Tulpe |
| Kopenhagen | Belgien | Simon | Kfz-Mechatroniker | Tanne |
| Wien | Spanien | Nils | Mediengestalter | Rose |
| Lissabon | Schweden | Ilona | Polizist | Eiche |
| Paris | Polen | Marion | Verkäuferin | Nelke |
1. Wie viele Frauennamen standen in der Tabelle?
2. Wie hießen die beiden Bäume?
3. Welche Länder mit dem Anfangsbuchstaben „S“ waren enthalten?
4. Stand in der Tabelle eine spanische Stadt?
5. Welcher Beruf war als letzter genannt?
Aufgabe 2
„Unser Team, das sind
– das Architektenpaar Monika und Manfred Baumeister, beide Jahrgang 1969 und seit Studienzeiten zusammen
– die beiden technischen Zeichner Markus Sturm (54) und Frank Hammer (46)
– der Zimmermann Felix Braun, Jahrgang 1975
– die Auszubildende zur Kauffrau für Büromanagement Melanie Schäfer (17)
– Sekretärin und gute Seele des Büros Christine Lorenz, Jahrgang 1979“
Präge dir die Daten innerhalb von drei Minuten ein.
1. Wann sind die beiden Architekten geboren?
2. Wie viele Männer gehören zum Team?
3. Wie alt ist die Auszubildende?
4. Wie heißt die gute Seele des Büros?
5. Welche Funktion hat Felix Braun?
Lösungen
Aufgabe 1:
1. 3, nämlich Manuela, Ilona und Marion
2. Tanne und Eiche
3. Spanien und Schweden
4. nein
5. Verkäuferin
Aufgabe 2:
1. 1969
2. 4, nämlich Manfred Baumeister, die beiden technischen Zeichner und der Zimmermann
3. 17
4. Christine Lorenz
5. Zimmermann
Und ein dritter Satz Merkaufgaben, der stärker auf Zahlen und Steckbriefe zielt:
Einstellungstest Kurzzeitgedächtnis
Gedächtnistest in der Praxis und Merkfähigkeitstest im Einstellungsverfahren
Wer nach einem Gedächtnistest sucht, meint zwei sehr verschiedene Dinge.
In der Neuropsychologie sind Gedächtnistests diagnostische Verfahren, etwa der Verbale Lern- und Merkfähigkeitstest. Sie werden von Fachleuten durchgeführt und ausgewertet, ihre Ergebnisse werden gegen Normwerte gestellt, und sie beantworten eine medizinische Frage. Frei im Netz gibt es diese Verfahren nicht, und die Übungsaufgaben auf dieser Seite ersetzen sie nicht.
Der Merkfähigkeitstest im Einstellungsverfahren stammt zwar aus derselben Forschungstradition, hat aber einen anderen Zweck. Der Arbeitgeber will wissen, ob du Informationen unter Zeitdruck aufnimmst und unter Ablenkung wieder abrufst. Bewertet wird gegen die anderen Bewerber, nicht gegen eine klinische Norm. Genau dafür kannst du üben, und genau darauf sind die Aufgaben hier zugeschnitten.
Alle Themen dazu im Überblick: Konzentration und Merkfähigkeit im Einstellungstest