„Ich kann alles und mir unterläuft nie ein Fehler.“ Diesen Satz als Antwort auf die Frage im Vorstellungsgespräch nach den Stärken und Schwächen zu nennen, ist nicht nur eine glatte Lüge, sondern macht sie darüber hinaus auch noch wahrlich unsympathisch. Das heißt: Sie tun sich mit dieser vermeintlich wohlklingenden Antwort wirklich keinen Gefallen. Was Sie stattdessen auf die Frage nach den Stärken und Schwächen antworten können, verraten wir in diesem Ratgeber.

Die wohl häufigste Frage ist mittlerweile kalkulierbar

Warum die Fragen nach den Stärken und Schwächen eines Bewerbers immer noch regelmäßig in jedem Vorstellunggespräch gestellt wird, ist eigentlich nicht mehr nachvollziehbar, denn mit Antworten wie „ich bin Workaholic“, „ich bin Perfektionist“ oder dergleichen, erfährt der Personalreferent letztlich nur eins: Dass der Bewerber weder zu den Kreativsten gehört, noch gut vorbereitet ist, denn sonst hätte er längst nachgelesen, dass diese Antworten wirklich aus dem Antiquariat der Antwortmöglichkeiten stammen. An dieser Stelle möchte wir also zunächst einmal die Stärken und Schwächen auflisten, die Sie NIE nennen sollten:

  • Arbeitsgeist. Die vermeintliche Tugend ist abgedroschen, auswendiggelernt und einfach langweilig. Zudem haben diejenigen, die sich mit Überstunden brüsten im Grunde nur eines: Einen Mangel an der Fähigkeit, ein vernünftiges Zeitmanagement aufzustellen und anzuwenden.
  • Ungeduld. Entgegen der weitläufigen Meinung ist Ungeduld nicht etwa ein Motor, sondern vielmehr ein Charakterzug derer, die auch regelmäßig den Blazer des übertriebenen Ehrgeizes tragen.
  • Perfektionismus. Die meisten Perfektionisten sind nämlich so veranlagt, dass ihnen ihr Perfektionismus sogar die Sicht auf ihre eigenen Fehler vernebelt.

Der beste Umgang mit Ihren Schwächen funktioniert so

Natürlich hat jeder Mensch Schwächen. Positiv ist, wenn man diese Schwächen 1.) erkennt und 2.) aktiv zu Stärken versucht zu wandeln. Die folgenden Beispiele zeigen, wie das funktionieren kann und, wie Sie das gleich im Vorstellungsgespräch versuchen können.

  • Mangelnde Teamfähigkeit. Wer weiß, dass er/sie zwar gut mit Menschen umgehen kann, kreative Ideen und sehr gute Leistungen allerdings nur abrufen kann, wenn er in Ruhe an einer Sache arbeiten kann, hat ein Problem: Ihm fehlt die Teamfähigkeit, die heute von jedem Arbeitgeber als Grundvoraussetzung angesehen wird. Tipp: Erklären Sie, dass Sie gerne im Vorfeld und im Nachgang im Team arbeiten, für die Ausarbeitung aber einen Ruhepol benötigen. Wenn dies wirklich der Fall ist, können Sie auch angeben, nun einer Teamsportart nachzugehen, um diese Fähigkeit besser zu trainieren.
  • Mangelhafte rhetorische Fähigkeiten. Vielleicht hapert es ja bei Ihnen nicht grundsätzlich an der Fähigkeit, sich rhetorisch auszudrücken, wohl aber an der Fähigkeit, vor vielen Menschen zu sprechen. Die gute Nachricht ist: Das ist trainierbar. Erklären Sie, dass Sie sich vor dem Hintergrund dieser Schwäche für ein Rhetorik-Seminar entschieden haben.

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie nach Ihren Schwächen gefragt werden, nennen Sie bitte diese, die Sie bereits aktuell bekämpfen oder gerade versuchen, diese zu verbessern. So  zeigen Sie, dass Sie selbstkritisch und lösungsorientiert zugleich sind.

Bei der Angabe der Stärken ist Maß und Ziel gefragt

Es ist ein Irrglaube zu denken, dass es viel leichter ist, über seine Stärken zu reden, denn

  • will kein Personalreferent einen arroganten Mitarbeiter einstellen, der unbelehrbar und großspurig wirkt,
  • will kein Personalreferent auswendig gelernte Worthülsen um die Ohren gehaut bekommen, die sich bei der kleinsten Rückfrage in Luft auflösen wie eine Seifenblase,
  • braucht es gehörig viel Übung, die eigenen Stärken gekonnt und vor allem passend zum Job zu formulieren.

Wichtig ist es demnach auch, an dieser Stelle authentisch zu bleiben. Auch ist eine sinnvolle Auswahl Ihrer Stärken wichtig, denn es geht nicht darum, dem Personalreferenten eine möglichst lange Liste an Stärken vorzulegen, sondern einige wenige Stärken auszuwählen, die zum Anforderungsprofil passen, und diese dann anhand von Beispielen zu erklären und zu belegen. Die folgenden Formulierungsbeispiele können Ihnen eine Hilfestellung sein:

„Ich kümmere mich gerne um Menschen. Das hat bereits in der Schulzeit mit einem Vorleseprojekt im Altersheim begonnen. Damals wurde mir klar, dass ich Altenpflegerin werden wollte.“

„Je mehr Personen sich an einem Projekt beteiligen, desto reizvoller wird die Aufgabe letzten Endes auch für mich. Denn gemeinsam mit vielen Akteuren das Ziel zu erreichen, spornt mich an und macht mich glücklich in der Abteilung Projektmanagement.“

„Ich glaube das Schachern habe ich von meinem Opa gelernt. Er nahm mich immer mit auf den Flohmarkt. So war letztlich auch eine klassische Ausbildung im Groß- und Außenhandel meine erste Berufsidee. Mein Mentor dort schulte mich insbesondere in  Vertriebsthemen, was mich heute zu dem Vertriebsmitarbeiter macht, der in Ihr Team passt.“

Trendbericht: Die klassische Fragestellung hat sich verändert

Viele Personalverantwortliche wissen um die Abgedroschenheit der Stärken-Schwächen-Frage und reagieren auch prompt darauf, indem sie kreative Alternativen anwenden. Häufig geht es bei dieser kreativen Fragestellung darum, dass der Bewerber benennen soll, was Kollegen und Chefs am Bewerber schätzen, nicht mögen oder ändern würden. Auch umgekehrte Fragen wie etwa die Frage, welche Eigenschaft der Bewerber am Chef oder am Kollegen schätzt oder woran er sich gerne die sprichwörtliche Scheibe abschneiden würde, sind denkbar.

Alternativ könnte der Personalreferent auch eine Situationsbeschreibung liefern – und der Bewerber muss entsprechend sagen, welche Stärken oder Schwächen er in der Situation ausleben könnte.

Beispiel 1: Sie geraten bei einem Projekt in Zeitverzug. An welcher Ihrer Schwäche könnte das gelegen haben? Mögliche Antwort: „Ich schätze, das ist in der Vergangenheit vorgekommen, weil ich mich nicht durchsetzen konnte, obwohl ich im Grunde ein sehr strukturierter und organisierter Mensch bin. Mittlerweile habe ich das trainiert.“

Beispiel 2: Sie hatten Streit mit Ihrem Kollegen. Was würde wohl Ihr Kunde an Ihrem Verhalten ermahnen oder kritisieren? Mögliche Antwort: „In meiner beruflichen Anfangsphase war ich sehr erpicht darauf, immer alles richtig gemacht zu haben. Mit Kritik konnte ich nicht umgehen, daher denke ich, dass man früher an mir hätte kritisieren können, dass ich bei Kritik auf Durchzug geschalten habe. Heute nehme ich die Punkte auf und versuche daraus Änderungen abzuleiten.“

Beispiel 3: Welche Alltagssituation bringt  Sie zum Platzen und wie gehen Sie mit diesem Wissen um. Mögliche Antwort: „Es nervt mich, wenn ich in die Küche gehe, die Kaffeemaschine leer ist und sich derjenige, der die letzte Tasse genommen hat, nicht darum gekümmert hat, eine neue Kanne aufzusetzen. Sie werden lachen, aber ich mir eine eigene Maschine fürs Büro gekauft.“

Beispiel 4: Gibt es „Anzeichen“ dafür, dass Sie gerade kurz davor sind, an die Decke zu gehen? Mögliche Antwort: „Ich gehöre zu den stillen Verärgerten, das heißt, ich drehe mich eher weg, brabble vor mich hin und lasse bei mir selbst Dampf ab. Wenn ich wieder ordentliche Sätze formulieren kann, sage ich demjenigen, der mich zum Platzen gebracht hat, auch warum und wieso.“

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